Konflikt BMW AG und BMW Händler
Stellungnahme von Anja Bauer

Für eine Woche lag Flensburg in Gallien und Asterix war eine Frau.

Vielleicht haben Sie in den letzten beiden Septemberwochen im Handelsblatt, Focus oder NTV gelesen, dass sich die BMW Händler und die BMW AG mit den Verträgen nicht einigen konnten. Falls Sie unsere Sicht der Dinge interessiert, hier unsere ganz subjektive Meinung, die wahrscheinlich nicht alle Seiten berücksichtigt, aber die Grundlage unsere Handelns darstellt.

Meiner Meinung nach ist die ganze Verhandlung eskaliert und die Situation, wie wir sie im September vorfanden, ist entstanden, weil beide Parteien - die BMW AG und der Verband Deutscher BMW Händler, beide Fehler gemacht und sich dann in Ihrer eigenen Auffassung der aktuellen Verhandlungsstandpunkte verrannt haben. Wenn sich zwei Parteien nicht einig sind, ist doch die Frage, ob Boykott für die Situation zielführend ist und zu einer Verbesserung führt.

Wenn die BMW Händler verbindlich als Unternehmer agieren, müssen diese auch in der Konsequenz damit leben, dass die BMW AG bei Ihrer Vertragsvorlage bleibt und man riskiert, den eigenen Händlervertrag zu verlieren. Die Unternehmer hatten der BMW AG mit der Ablehnung deutlich gemacht, dass sie diesen neuen Vertrag nicht unterschreiben werden. Die Firma Bauer wollte aber weiterhin BMW Händler sein und hat auch nie in Betracht gezogen, die Vertragsbeziehungen mit der BMW AG in Frage zu stellen. Zudem riskiert ein Unternehmer bei solch einem Kräftemessen mit dem Hersteller nicht nur die eigene Existenz einer traditionsreichen Unternehmensgruppe mit starken Marken, sondern setzt auch die Existenzen der langjährigen und engagierten Mitarbeiter im Unternehmen aufs Spiel. Wir tragen als Unternehmen die Verantwortung in erster Linie für unsere Mitarbeiter und deren Familien, sowie für unsere loyalen und treuen Kunden.

Glücklicherweise haben eine halbe Stunde vor Ablauf des letzten Angebotes alle BMW Vertragshändler unterschrieben, aber die Situation hat sich dadurch nicht geändert. Wir bei BAUER haben uns schon darauf vorbereitet, dass wir am 1. Oktober für den gesamten nördlichen Teil Schleswig-Holstein für alle Kunden mit einem BMW oder MINI Problem zur Verfügung stehen würden, wir haben mit mehreren BMW Händlern gesprochen und denen unsere Hilfe in Form von Teilen oder Manpower angeboten. Aber zur Glück trat diese Situation gar nicht ein.

In der heutigen Zeit dreht sich das Rad der Veränderungen speziell in der Automobilbranche immer schneller: Elektromobilität, Internetvertrieb, Carsharing, autonomes Fahren und WLTP-Anpassung sind nur einige Beispiele für den schnellen Strukturwandel in dieser Branche. Neue Mobilitätsangebote entstehen und die Spielregeln im Automobilhandel werden neu definiert. In dieser Zeit ist es wichtiger denn je, sich den sich verändernden Marktbedingungen anzupassen. Ich bin sehr froh, dass die BMW AG frühzeitig in die reine Elektromobilität eingestiegen ist und dass wir auch Hybridfahrzeuge anbieten können, die genau den Zeitgeist verkörpern. Die erfolgreiche Umstellung auf WLTP, bei einigen wenigen Motorvarianten etwas zeitverzögert, und die fast 100%ige Lieferfähigkeit in allen Motorenvarianten ist ein weiteres Qualitätszeugnis für die BMW AG und deren Produkte.

Die Renditesituation in der Automobilbranche für die Vertragshändler ist zur Zeit für die Unternehmen nicht tragbar. Der Teufelskreis entsteht durch die offenkundigen Rabattschlachten, die zur Zielerreichung für jeden einzelnen nötig sind. Diese zwingende Zielerreichung ist wiederum Grundlage für eine Jahresbonifizierung, denn nur wer den Bonus erreicht, hat die Chance einen Teil der großen Verluste aus der Rabattschacht auszugleichen. Jedem Konsumenten müsste es einleuchten, dass ein Auto nicht für 199,-€ Leasingrate verkauft werden kann, wenn ein neuer Handyvertrag bei der Telecom schon 76,95 € kostet. Aber eben solche Geschäfte werden getätigt, um in dem Jahreszielsystem mit dem benötigten Volumen Schritt halten zu können, obwohl es sich nach kaufmännischen Gesichtspunkten für diesen Bereich allein nicht darstellen lässt. Die Folge hiervon sind die aktuellen Umsatzrenditen von unter 1% , die am Ende - egal wie spannend, einzigartig, hochwertig und faszinierend unsere Branche ist - keinem Unternehmer Freude machen, weiterhin in eine sehr kapitalintensiven Brache zu investieren.

Durch die hohen Wertverluste der Dieselfahrzeuge aus der aktuellen Dieselthematik, die zeitweiligen Lieferschwierigkeiten durch die WLTP Umstellung und den enormen Druck des Herstellers, Volumen in die Märkte zu verkaufen, sowie die hohen Investitionen in die Umgestaltung der Immobilien im Rahmen von „Future Retail“ sind die letzten Jahre die schwersten für die einzelnen Händler in Sachen einer erträglichen Umsatzrendite gewesen.

Daher kann ich auch alle Händler verstehen, die die Reißleine gezogen haben und so nicht weiter machen wollen oder vermeintlich auch nicht können. Ich gebe deren Standpunkt Recht, dass wir kein Unternehmen führen können, mit dem man am Ende des Tages kein Geld mehr verdient. Allerdings bin ich der Meinung, dass nicht der Vertrag mit der BMW AG die Händler am Geldverdienen hindert, sondern die individuellen zu hohen Ziele, die Wertverluste bei Leasingrückläufern und Dieselfahrzeugen, die Rabattschlachten aufgrund der Marktsituation und der aktuelle Fachkräftemangel. Die Kritik der BMW Händler an den Formulierungen der Verträge ist in weiten Stücken Auslegungssache, da allgemeine Formulierungen wie beispielsweise: „die BMW AG kann alle 6 Monate die Standards ändern“ - ja nicht gleichsetzten muss mit der Formulierung: „alle 6 Monate müssen wir unsere Verkaufsräume umbauen.“ Es kann ja auch passieren, dass wir einfach im Bereich der Karosserie von Nieten auf Kleben übergehen – dann muss der Hersteller ja anpassungs- und handlungsfähig sein. Da kann man Böses reininterpretieren und der Vertrag lässt das durch eine gewisse Offenheit in den juristischen Formulierungen auch zu, aber es handelt sich immer noch um eine Partnerschaft zwischen der BMW AG und deren Händlern, zu denen wir als Firma Bauer nach wie vor gehören. Beide Seiten profitieren voneinander - und daher hoffe ich auch auf eine Veränderung in vielen Situationen, wobei ich dieses als BMW Händler auf einer anderen Ebene mit der BMW AG lösen möchte und nicht durch Boykott oder Ablehnung, durch die ich mir selbst die Existenzgrundlage nehme und die Zukunft meiner Mitarbeiter, meiner Kunden und unseres Unternehmens riskieren würde.

Aber seit dem 1. Oktober sind alle BMW Händler wieder an Board, der Verband deutscher BMW Händler hat allen Mitgliedern empfohlen, die Verträge so zu unterschreiben und die Stimmung hat sich wieder beruhigt, Da wir ja von vornherein gleich gesagt haben: wir stehen zu BMW, war die Aufregung bei uns nicht so groß, aber auch wir wurden von vielen BMW Händlern angerufen, es wurde gefragt, was richtig ist, sehr viele Kunden waren verunsichert, viele haben gefragt, wo sie ihnen BMW nun zur Reparatur hinbringen sollen. Aber wie heißt es so schön: am Ende wird alles Gut. Und so ist es auch bei diesem Kräftemessen gewesen: nun ist alles wieder Gut. Ich wünsche allen Lesern einen schönen und hoffentlich sonnigen Herbst. 

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